Zur Verabschiedung von Mathias Cramer fand der Vorsitzende Michael Beckmann die folgenden Worte:

Es war 1995. Seit gerade mal drei Jahren hatte der BSV eine neu aufgestellte Vereinsführung. War die Arbeit des Vorstandes achtzehn Jahre lang stark geprägt von der Arbeit und der Person des ersten Vorsitzenden Heinrich Schulze Bäing, sorgte sein Nachfolger Rudi Schwegmann ab 1992 mit einem erweiterten Team für eine größere und gerechtere Aufgabenteilung. Das bedeutete natürlich mehr Arbeit für alle Vorstandsmitglieder. Diese Umverteilung trug gerade erste Früchte, als der Geschäftsführer Werner Gehrka im Januar 1995 unerwartet starb. Ein ebenso tragischer wie herber Verlust. Ist doch die Geschäftsführung neben dem Beitragswesen der Bereich im Vorstand mit den wohl größten alltäglichen Aufgaben und setzt ein großes Maß an Vertrauenswürdigkeit und Routine im Geldverkehr voraus. Immerhin bewegte sich schon damals die Bilanzsumme des BSV im sechsstelligen DM-Bereich. Eine Schlüsselposition. Und Werner Gehrka war als Bankkaufmann bei der Sparkasse vor Ort eine ideale Besetzung. Zuverlässig, kompetent und in der Bank ständig erreichbar. Wie ist diese Lücke zu schließen?

Nicht jeder hätte da seinen Handschlag darauf gegeben, dieses Amt zu übernehmen. Und hier kommt Mathias Cramer ins Spiel. Rudi Schwegmann ist noch heute erstaunt und dankbar, dass Mathias nach nur kurzer Bedenkzeit zugesagt hatte, zukünftig die Geschäfte des BSV zu führen. Und das in seiner damaligen eigenen Situation: noch nicht einmal dreißig Jahre alt, gerade sein Studium beendet, unmittelbar zuvor in die LVM-Vertretung seines Vaters, die seine Existenz gründen sollte, eingestiegen, war Mathias` Ansinnen eigentlich ganz auf seine persönliche Lebensplanung ausgerichtet. Sollte man meinen! „ Der BSV hat mir viel gegeben, und ich möchte dem Verein nun etwas zurückgeben.“ Man stelle sich vor, mit diesem beinahe schon lapidaren Satz bekräftigte Mathias seinen Willen zur Mitarbeit, aus der eine 23-jährige Vorstandstätigkeit in einer so wichtigen und arbeitsreichen Position geworden ist. Und was für Zeiten kamen dann!? Der Verein war auf über 1200 Mitglieder gewachsen, das ist quasi mehr als nur ein mittelständisches Unternehmen. Die Ausgaben eines Vereins stiegen rapide. Gute Übungsleiterarbeit sollte auch gut entlohnt werden. Das Anspruchsdenken der Mitglieder wuchs. Allerdings auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen.

Wer erinnert sich nicht an die Turbulenzen um den Sportstättenbau in den folgenden Jahren? Die Fußballer strebten mit Macht in die Landesliga, wofür nicht unerhebliche Geldquellen gesucht wurden. Oder eine für den BSV finanziell schmerzhafte Steuerprüfung. All dieses musste in den ersten Jahren von Mathias` Amtszeit bewältigt werden. Ordnung musste geschaffen werden, heilige Kühe von den Sportstätten geholt und der Verein finanziell konsolidiert werden. Im Sport spricht man wohl von einem Ausputzer, und diese Rolle übernahm Mathias im Schulterschluss mit seinen Mitstreitern im Vorstand. Viele hier werden sich sicherlich noch daran erinnern, die zum Teil hoch emotional geführten Diskussionen um den richtigen Weg im BSV und für die Entscheider war das alles andere als eine leichte Zeit.

Es gab aber auch die anderen Zeiten. Die finanziellen Wogen geglättet, den Verein wieder in ruhigem Fahrwasser, ein klares Konzept der finanziellen Beteiligung der Sportarten als Grundlage des Erfolges des Vereins auch in sportlichen Dingen. Und auch hier war es immer das wachsame Auge von Mathias, der auch mahnend den Finger in die Wunde legte, wenn sich die Dinge wieder verselbständigten. Auch wenn er der Mahner war: Seine Tür stand immer offen und er machte sich auch stark für Dinge, die den Sport voranbrachten, wo es auch mal neben der Spur notwendig war, sich als Verein erkenntlich zu zeigen und wusste darüber bis in die Abteilungen hinein Ideen und Taten zu würdigen. BSV und für die Entscheider war das alles andere als eine leichte Zeit. Er „saß“ beileibe nicht auf dem Vereinssäckel. Seine Tür stand immer offen und er machte sich auch stark für Ausgaben, die den Sport voranbrachten, wo es auch mal neben der Spur notwendig war, sich als Verein erkenntlich zu zeigen, und wusste darüber bis in die Abteilungen hinein Ideen und Taten zu würdigen.

Würde man eine Umfrage machen und markante Sätze von Mathias zitieren lassen, regelmäßige Generalversammlungsbesucher kennt zwei: „Wir kommen zum vorläufigen Höhepunkt des heutigen Abends, den Kassenbericht des Geschäftsführers.“ Und abschließend:  „Trotz allem (oder gerade deshalb) wird auch im Anschluss an diese Generalversammlung das traditionelle Käsebuffet eröffnet.“ Und wer genau hinhörte, konnte Mathias Begabung zur Werbung zum Ehrenamt auch noch registrieren. Regelmäßig warb er Kassenprüfer(innen) mit dem Hinweis, dass seine im Büro aufgebaute Kaffeemaschine hervorragend und der Kaffee mindestens genauso einzuschätzen sei.

Und wäre es auch nicht genug, um zu beweisen, dass Mathias neben allen Aspekten einer Geschäftsführung auch für die sinnlichen Dinge ein Gespür hätte, hier noch aus dem Nähkästchen: Legendär waren die zumeist zum Jahresende oder -anfang bei Mathias durchgeführten Vorstandssitzungen am Kamin, die eher dem Gedankenaustausch einer Loge entsprachen und begleitet von allerlei Köstlichkeiten ein Muss für jedes Vorstandsmitglied waren. Nicht selten luden sich auch ehemalige Vorständler als „externe Berater“ zu diesen Treffen ein. Ungehörten Stimmen im Verein zur Folge, sollen die wichtigsten Entscheidungen für den BSV in diesen Momenten getroffen worden sein. Nicht nur dies, vieles mehr wird uns fehlen, wenn Mathias, der nach nunmehr 23 Jahren den Entschluss gefasst hat, nicht mehr neu für das Amt des Geschäftsführers zu kandidieren, dem künftigen Vorstand nicht mehr angehören wird. Er hat mehr als einen Vorsitzenden, zuletzt sogar zwei Vorsitzende, begleitet und unterstützt, den BSV durch seine Arbeit geprägt und gestützt. 23 Jahre bedeuten nicht weniger als eine der längsten Schaffenszeiten im Vorstand des BSV, der bald 100 Jahre alt wird. Laut Rudi Schwegmann gibt es zumindest unter den noch lebenden BSVern nur einen einzigen, der dem Vorstand noch länger angehört hat, und das ist Kroki mit nun 26 Jahren.

Lieber Mathias, dieser kurze Abriss Deiner Amtszeit kann nur andeuten, welch umfangreichen Dienste Du dem BSV geleistet hast. Fest steht, Du hast dem BSV weitaus mehr zurückgegeben, als dieser für Dich tun konnte. Wir alle, der Verein und alle Mitglieder, möchten Dir, lieber Mathias, unseren großen Dank für Alles aussprechen. Nun stellt sich die Frage, wie das gelingen kann. Wir wissen es nicht genau, wollen es aber mal probieren. Mathias kennt sich also mit Kapitänen aus und ist den kulinarischen Dingen durchaus zugewandt. Das kann man doch verbinden. Lieber Mathias, wir wünschen Dir viel Spaß bei einem Whisky Tasting, nicht irgendwo, sondern auf der „MS Günther“. Wir wünschen Dir, Du kannst auf dem Schiff den nötigen Abstand zum Amt, die Gedanken an die positiven Ereignisse aus Deinem Wirken  im Vorstand des BSV und die vielen schönen Erinnerungen an die sportlichen Erfolge während Deiner Zeit gewinnen. Wir sehen Dich natürlich gerne bei allen Veranstaltungen des BSV. Und wir hoffen: Vielleicht gibt es doch noch mal die ein oder andere außerordentliche Sitzung an deinem Kamin.